Evelyne Schönberg, meist Eva genannt, stammte aus der jüdischen Hutmacherfamilie Bach in Wien. Geboren wurde sie am 25. Januar 1879 als drittes von fünf Kindern. Sie wurde nach dem frühen Tod ihres Vaters von der Mutter erzogen. Ihr Bruder David Josef Bach (1874-1947) gilt als Begründer der Wiener Arbeiterkonzerte. Über ihn lernte Evelyne den jungen Arnold Schönberg kennen, mit dem sie zeitweise befreundet war und der ihr einige seiner frühen Lieder widmete. Im Dezember 1900 heiratete sie in Wien Arthur Schönberg und zog mit ihm nach München. Das Ehepaar bekam zwei Kinder, Else und Lotte, die von der Mutter fortschrittlich und politisch liberal erzogen wurden. Überliefert ist, dass sich Evelyne in München als Waisenpflegerin engagierte. Mit ihren Töchtern setzte sie sich auch für das Frauenwahlecht ein.
Im Gegensatz zu ihrem Mann befürwortete Evelyne schon kurz nach 1933 eine Emigration, wobei sie an die Sowjetunion dachte, da dort der Name ihres Mannes als Organisator von Stromverbünden einen guten Ruf hatte. Seit ca. 1936 litt sie an einem schweren Herzleiden. 1941/42 musste sie deshalb häufig im Jüdischen Krankenhaus in der Hermann-Schmid-Straße behandelt werden. Direkt von dort wurde sie nach Theresienstadt deportiert. Das harte Lagerleben und ihre Vorerkrankung führten schon wenige Monate nach ihrer Ankunft im Lager zum Tod. In der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember 1942 verstarb sie, exakt an ihrem Hochzeitstag.
Arthur Schöneberg wurde wenige Wochen später in Theresienstadt ermordet. Auch ihre Tochter Lotte und deren Ehemann Rudolf Ernst überlebten die Shoah, nicht. Else Schönberg überlebte und adoptierte nach dem Krieg ihren Neffen Michael.
(Text Wilhelm Füßl)