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Rudolf Gottlieb


Wendl-Dietrich-Str. 54



Geburtsdatum:
04.10.1888
Geburtsort:
Judenburg, Steiermark, Österreich
Todesdatum:
03.10.1944
Todesort:
Auschwitz
Opfergruppe:
Als Jüdinnen und Juden Verfolgte
Form:
Erinnerungszeichen (Tafel)
Anbringung:
18.07.2023

Rudolf Gottlieb kam am 4. Oktober 1888 im österreichischen Judenburg als Sohn des Kaufmanns Wilhelm Gottlieb und seiner Frau Therese, geborene Politzer, zur Welt. Er wuchs mit seinem Bruder Leopold auf. 1914 zog Rudolf Gottlieb nach München und lebte dort unter anderem im ersten Stock der Klenzestraße 31. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau Luise Wilhelmine May heiratete er 1928 die aus Amberg stammende Barbara Breitschaft. Drei Jahre später bekam das Paar einen Sohn: Reinhold Werner. Kurz nach seiner Geburt zog die kleine Familie am 4. August 1931 in die Siedlung der Wohnungsbaugesellschaft GEWOFAG in Neuhausen in eine zweieinhalb-Zimmer-Wohnung im ersten Stock der Wendl-Dietrich-Straße 54.
Rudolf Gottlieb war als Vertreter in verschiedenen Branchen tätig: Von 1924 bis 1933 war er im Gewerberegister als Vertreter für Gummiabsätze eingetragen und hatte ab 1932 sein Büro in der Wendl-Dietrich-Straße 54, wo er auch wohnte. Zwischen 1933 und 1936 war Rudolf Gottlieb als Vertreter für Lebensmittel tätig, unter anderem für eine Backmittelfabrik in Breslau. Daneben war er ebenfalls ab 1933 Vertreter für elektrische Bedarfsartikel. Mit rund 600 Reichsmark pro Monat hatte Rudolf Gottlieb ein gutes Auskommen. Er besaß sogar ein Auto für Geschäftsreisen, damals eine große Ausnahme.
Vermutlich um der Verfolgung als Jude in Deutschland zu entgehen, zog Rudolf Gottlieb Mitte 1936 zu seinem Bruder nach Graz, ohne seine „arische“ Frau Barbara und seinen knapp fünf Jahre alten Sohn. Als Altwarenhändler verdiente er dort täglich zwischen sechs und zehn Schillinge – gerade genug für seinen Lebensunterhalt. Er fürchtete allerdings: „Als Jude werde ich voraussichtlich geschäftlich immer mehr Schwierigkeiten haben.“ 1939 wurde die Ehe mit Barbara Gottlieb geschieden; sie war vermutlich unter Druck gesetzt worden, um die „Mischehe“ zu lösen.
Rudolf Gottlieb ging später nach Amsterdam. Wann und warum, ist unklar. Vielleicht brachte ihn der „Anschluss“ Österreichs an Deutschland im März 1938 dazu, erneut vor den Nationalsozialisten zu fliehen. Am 19. Dezember 1938 wurde Rudolf Gottlieb zusammen mit mehr als 200 anderen Flüchtlingen aus Deutschland festgenommen und ins Gefängnis Norg in Veenhuizen gebracht. Wenig später kam er ins Flüchtlingslager Hellevoetsluis. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Niederlande war Rudolf Gottlieb erneut der nationalsozialistischen Verfolgung ausgesetzt – diesmal endgültig. Am 6. Januar 1944 wurde er in Kamp Westerbork eingeliefert und von dort aus am 18. Januar 1944 ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Wenige Tage vor seinem 56. Geburtstag kam Rudolf Gottlieb am 1. Oktober 1944 ins Konzentrationslager Auschwitz. Sein genauer Todestag ist bis heute unbekannt. Nach dem Krieg erklärte ihn das niederländische Rote Kreuz auf den 3. Oktober 1944 für tot. (Text: Anton Hofer, Azubi bei der GEWOFAG; Lektorat: C. Fritsche)

Erinnerungszeichen für Mieterinnen und Mieter der GEWOFAG (jetzt Münchner Wohnen) in Neuhausen

Auch Mieterinnen und Mieter der Münchner Wohnen (früher GEWOFAG), Münchens größter Wohnungsbaugenossenschaft, wurden Opfer der Nationalsozialisten. Gemeinsam mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt setzte die GEWOFAG nun Erinnerungszeichen für ihre ehemaligen Mieterinnen und Mieter.

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