Friedrich David Helbing wurde am 16. Dezember 1888 in München als ältester Sohn des Kunsthändlers Hugo Helbing geboren. Fritz Helbing, wie er allerseits genannt wurde, wuchs in einem kulturell geprägten, großbürgerlichen Umfeld auf und besuchte ein humanistisches Gymnasium. Während des Ersten Weltkriegs diente er als Unteroffizier im 1. Bayerischen Infanterie-Regiment. Nach Kriegsende studierte er Kunstgeschichte an der Technischen Hochschule München und trat anschließend in die väterliche Kunsthandlung ein. Die Galerie Helbing in der Liebigstraße 21 war eines der bedeutendsten Auktionshäuser in Europa. Fritz Helbing war bis Ende 1935 Gesellschafter der renommierten Kunsthandlung. Mit der fortschreitenden Entrechtung jüdischer Unternehmerinnen und Unternehmer entzog das NS-Regime ihm jedoch die berufliche Grundlage, sodass er nur noch eingeschränkt im Kunsthandel tätig sein konnte.
Am 9. November 1938 wurde Fritz Helbing verhaftet und einen Tag später in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Mit der Häftlingsnummer 19658 wurde er dort bis zum 6. Dezember 1938 inhaftiert. Während dieser Zeit starb sein Vater Hugo Helbing am 30. November 1938 an den Folgen schwerer Misshandlungen durch die Nationalsozialisten, ohne dass sein Sohn ihn noch einmal sehen konnte. Von den Behörden massiv unter Druck gesetzt, sah Fritz Helbing sich gezwungen, das väterliche Erbe auszuschlagen. In der Folge musste er unentgeltlich als Hilfsarbeiter für die Gauleitung der NSDAP arbeiten.
Am 22. Mai 1941 heiratete er in dritter Ehe die Sekretärin Dora Goldstein. Sie war 1895 in München zur Welt gekommen. Nach der Heirat lebte das Ehepaar in der Corneliusstraße 1, einem sogenannten „Judenhaus“. Ab Februar 1942 waren sie in der Lindwurmstraße 125 untergebracht – in einer Koje mit Mitbenutzung einer Gemeinschaftsküche innerhalb einer Sammelunterkunft der Israelitischen Kultusgemeinde. Seit November 1942 arbeitete Dora Helbing für die Jüdische Gemeinde.
Am 13. März 1943 wurden Fritz und Dora Helbing von München in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet. Ihr Besitz wurde am 16. März 1943 durch die „Dienststelle für Vermögensverwertung“ zu Gunsten des Deutschen Reiches verkauft. Auch Dora Helbings Eltern Heinrich und Helebe Hilda Goldstein überlebten die Shoah nicht. (Text Johannes Nathan und Anja Akikazu Matsuda; Lektorat Ch. Fritsche)