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Dr. rer. pol. Alfred Strauß


Goethestr. 43

Geburtsdatum:
30.08.1902
Geburtsort:
München
Todesdatum:
24.05.1933
Todesort:
KZ Dachau
Opfergruppe:
Als Jüdinnen und Juden Verfolgte
Form:
Erinnerungszeichen (Stele)
Anbringung:
24.06.2027

Margarethe (Gretchen) Neuburger kam am 28. Februar 1881 im mittelfränkischen Colmberg zur Welt. Sie war die Tochter des Kaufmanns Abraham Neuburger und seiner Frau Babette. Als sie zehn Jahre alt war, zog sie mit ihrer Familie nach München. Über Gretchen Neuburgers Kindheit und ihre Schulzeit ist nichts bekannt. 1901 heiratete sie mit 20 Jahren den aus Eichstätt stammenden Juristen Dr. Adolf Strauß. Ein Jahr später kam Sohn Alfred auf die Welt. Die kleine Familie lebte seit Sommer 1915 in der Goethestraße 43. In der Weimarer Republik wurde Gretchen Straußʼ Mann Adolf Mitglied der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und gehörte dem Münchner Stadtrat an. Er starb 1928.
Alfred Strauß studierte wie sein Vater Rechtswissenschaften. Mit 22 Jahren promovierte er an der Universität Göttingen zum Dr. rer. pol., später folgte eine zweite Promotion zum Dr. jur. Seit 1928 betrieb Alfred Strauß eine Kanzlei am Stachus. Nachdem der FC Bayern München 1932 Deutscher Meister geworden war, trat Alfred Strauß dem Fußballverein bei.
Mehrfach vertrat Alfred Strauß Mandanten und Mandantinnen gegen NSDAP-Mitglieder und Parteifunktionäre. Anwalt der gegnerischen Seite war oft Hans Frank, in der NS-Zeit zunächst Justizminister in Bayern und später Generalgouverneur im besetzten Polen. Kurz nach Beginn der NS-Herrschaft, am 27. März 1933, ließ Hans Frank Alfred Strauß wegen „gewissenloser Berufsausübung“ in „Schutzhaft“ nehmen. Offenbar wollte er sich auf diese Weise an dem jüdischen Anwalt rächen. Weil Alfred Strauß keine strafbare Handlung nachgewiesen werden konnte, fragte die Bayerische Politische Polizei im April 1933 bei Hans Frank an, ob er aus der Haft entlassen werden könne. Doch dazu kam es nicht: Stattdessen wurde Alfred Strauß am 11. Mai 1933 ins Konzentrationslager Dachau überführt. Dort wurde der 30-Jährige mehrfach schwer misshandelt. Am 24. Mai 1933 wurde er erschossen, angeblich bei einem Fluchtversuch. Die Gerichtskommission des Landgerichts München kam allerdings zu dem Schluss, dass es sich um eine vorsätzliche Ermordung gehandelt habe. Sie verwies unter anderem darauf, dass Alfred Strauß bei seinem Tod nur Pantoffeln getragen habe, was einen Fluchtversuch sehr unwahrscheinlich mache. Auf Betreiben der Politischen Polizei wurde das Verfahren gegen den Schützen, den SS-Mann Johann Kantschuster, im August 1933 eingestellt.
Über das weitere Schicksal von Alfred Straußʼ Mutter ist fast nichts bekannt. Nach der Ermordung ihres Sohnes lebte Gretchen Strauß weiterhin in der Goethestraße 43. Am 20. November 1941 deportierte sie die Gestapo zusammen mit rund 1.000 weiteren jüdischen Münchnerinnen und Münchnern nach Kaunas. Dort wurden alle Verschleppten fünf Tage später erschossen, auch Gretchen Strauß. (Text Christiane Fritsche)