Anna Graf wurde 1870 in Czellechowitz (heute Teil der Stadt Stochov in Tschechien) geboren. Auf der Suche nach Arbeit zog sie nach München, wo sie im Januar 1900 den katholischen Herrenschneider Anton Paroubek heiratete. Anna Paroubek war nichtpraktizierende Jüdin, die gemeinsame Tochter Emilie erzog das Ehepaar Paroubek katholisch.
Anton Paroubek besaß eine erfolgreiche Schneiderei in München. 1921 zog die Familie in die Lindenallee 3 in Großhadern, wo sie sich schnell einlebte. Anton Paroubek war mit dem Dorfpfarrer befreundet, Emilie wurde Mitglied im örtlichen Sportverein und bekam Musikunterricht. Anna Paroubek liebte das Theater und die Oper und arbeitete im Geschäft ihres Mannes. Nach dem Tod Anton Paroubeks zog Anna Paroubek in die Nähe ihrer Tochter, in eine kleinere Wohnung in der Heiglstraße 32.
Von Beginn der NS-Herrschaft an durfte sie ihre Tochter im Nebenhaus nicht mehr besuchen, da deren Vermieter im Haus keine Juden duldete. Nachdem Jüdinnen und Juden gezwungen wurden, in der Öffentlichkeit den Judenstern zu tragen, verließ Anna Paroubek ihre Wohnung nicht mehr. Im Juli 1942 deportierte die Gestapo sie in das Ghetto Theresienstadt, wo Anna Paroubek im September 1943 aufgrund der unmenschlichen Bedingungen starb.