Im Rahmen des Projektes ›Jüdisches Leben in der Ohmstraße‹ wurden am Holocaust Gedenktag fünf weitere Erinnerungszeichen in der Ohmstraße angebracht.
In der Ohmstraße 17 lebten ab 1925 der münchner Kaufmann Fritz Rothschild und seine Ehefrau Eugenie. Dort wurden auch ihre beiden Kinder Ada Gabriele und Immanuel geboren. Fritz Rothschild betrieb eine Vermittlung von Immobilien, Hypotheken, Darlehen und Finanzierungen sowie eine Provisionsvertretung in Dekorationsartikeln. Das Gewerbe wurde 1938 abgemeldet, danach musste sich die Familie mit dem Verkauf ihrer Einrichtungsgegenstände über Wasser halten.
Ada Gabriele Rothschild war Schülerin des Städt. Lyzeums am St.-Anna-Platz. Sie zog 1940 nach Stuttgart, wo sie bis 1941 als Sekretärin der Jüdischen Auswandererstelle für Württemberg und Hohenzollern tätig war. Ihr jüngerer Bruder Immanuel Rothschild besuchte das Ludwigs-Gymnasium in München. Alle Bemühungen um Emigration der Familie Rothschild blieben vergeblich. Die Gestapo deportierte Fritz und Eugenie Rothschild gemeinsam mit ihrem Sohn Immanuel am 20. November 1941 aus München nach Kaunas, wo sie fünf Tage später ermordet wurden. Am 26. April 1942 wurde ihre Tochter Ada Rothschild von Stuttgart nach Izbica deportiert und dort ermordet.
Siegfried Mathias war nach dem Tod seiner Ehefrau Tilly Lang aus Nürnberg zu seiner Tochter Else Mamroth nach München in die Ohmstraße 20 gezogen. Er beging am 28. Januar 1939 Suizid durch Tablettenvergiftung (Motiv laut polizeilichem Register: "Mittellosigkeit"). Er wurde in das Israelitische Krankenhaus eingeliefert, wo er kurz darauf verstarb. Seiner Tochter Else gelang im August 1940 die Emigration nach Amerika. Doch seine Söhne Karl und Georg wurden beide im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet.