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Johanna Maurus, geb. Bechert


Prinz-Ludwig-Str. 6A



Birthdate:
18.10.1886
Birthplace:
Passau
Date of death:
13.11.1941
Place of death:
München
Victim group:
Als Jüdinnen und Juden Verfolgte
Form:
Erinnerungszeichen (Stele)
Attachment:
21.07.2026

Johanna Maurus, geborene Bechert, kam am 18. Oktober 1886 in Passau zur Welt. Sie war die Tochter des jüdischen Kaufmanns Alexander Bechert und seiner Frau Karolina, geborene Silbermann. Seit dem 5. März 1914 war sie mit Wilhelm Maurus verheiratet. Ihr Mann war katholisch; in der NS-Zeit galt die Ehe daher als „Mischehe“. Das Ehepaar bekam einen Sohn: Kurt wurde am 12. September 1916 geboren. Er war nach der nationalsozialistischen Rassenideologie ein „Halbjude“, auch „Mischling“ genannt. Die Familie lebte zwischen dem 29. November 1933 und dem 5. Oktober 1936 in der Prinz-Ludwig-Straße 12 (heute 6a).
Über Johanna Maurus ist nur sehr wenig bekannt. Aus den Quellen geht nichts zu ihrer Schuldbildung hervor und dazu, ob sie einen Beruf ergriff. Ihr Mann Wilhelm arbeitete als Vertreter, zuletzt für die Sektkellerei Kupferberg. Weil Johanna Maurus jüdisch war, musste er diese Tätigkeit 1939 an seinen Sohn übergeben. Wilhelm Maurus litt viele Jahre unter Alkohol- und Morphiumsucht sowie psychischen Erkrankungen. Er wurde im Februar 1941 in die Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar eingeliefert.
Nachdem ihre Schwester Hedwig die Aufforderung zur Deportation erhalten hatte, beschlossen Johanna Maurus und sie, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Johanna Maurus starb einen Tag nach ihrer Schwester, am 13. November 1941, in der Klinik in der Nußbaumstraße infolge einer Tabletten- und Leuchtgasvergiftung. Ihr Sohn Kurt schrieb nach dem Krieg, seine Mutter und seine Tante hätten „aus Verzweiflung“ Suizid begangen. Wenige Tage später, am 20. November 1941, deportierte die Gestapo die ersten Münchner Jüdinnen und Juden nach Kaunas.
Johanna Maurus‘ Mann Wilhelm lebte nach seiner Entlassung aus der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar bei Verwandten in Lenggries. Kurt Maurus musste ab November 1944 Zwangsarbeit im Lager Rositz in Thüringen leisten. Während eines Bombenangriffs floh er im Februar 1945 nach München. Dort überlebte er versteckt, bis amerikanische Truppen die Stadt erreichten. Er blieb nach Kriegsende in München. (Text: Bente Lammering; Lektorat C. Fritsche)