Titelbild Biografien
Biografie Detailseite 1

Theodor Hugo Mendle


Prinz-Ludwig-Str. 10

Birthdate:
21.07.1876
Birthplace:
Kriegshaber, Kr. Augsburg
Place of death:
Piaski
Victim group:
Als Jüdinnen und Juden Verfolgte
Form:
Erinnerungszeichen (Tafel)
Attachment:
21.07.2026

Theodor Hugo Mendle wurde am 21. Juli 1876 in Kriegshaber bei Augsburg geboren. Seine Eltern waren Lehmann und Cilly Mendle. Er war Kaufmann und arbeitete als Immobilienhändler. Am 16. August 1905 heiratete er in München Elsa Weil. Sie war am 31. Juli 1883 in München als Tochter von Leopold und Emma Weil geboren worden. Über ihre Kindheit und Jugend ist nichts bekannt. Vier Jahre nach der Hochzeit kam Tochter Gerda zur Welt. Die Familie lebte seit 1915 in der Prinz-Ludwig-Straße 14 (heute 10), später zwangen die antisemitischen Maßnahmen des NS-Regimes sie zu mehreren Wohnungswechseln in die Bürkleinstraße, Thierschstraße, Rumfordstraße und zuletzt in die Baaderstraße. Im Zuge der Reichspogromnacht im November 1938 wurde Theodor Mendle zeitweise im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Ab 20. Januar 1942 musste das Ehepaar in der „Judensiedlung“ Milbertshofen leben.
Der Immobilienhandel sicherte Theodor Mendle zunächst den Lebensunterhalt. Weil er als Jude kaum noch Kunden hatte, verschlechterte sich seine wirtschaftliche Lage nach Beginn der NS-Herrschaft jedoch deutlich. Das Einkommen reichte nicht mehr aus, sodass die Familie von Grundstücksverkäufen und dem vorhandenen Vermögen lebte. Am 25. November 1941 musste Theodor Mendle ein Grundstück in Aubing an die Stadt München verkaufen. Er war nicht selbst an der Unterzeichnung des Kaufvertrags beteiligt. Stattdessen unterschrieb ein SA-Mann den Vertrag als „Treuhänder“. Der Kaufpreis war so niedrig, dass die Stadt München als Käuferin eine Ausgleichsabgabe an das Finanzamt zahlen musste. Eine Vermögenserklärung aus dem Jahr 1942 zeigt, dass Theodor Mendle und seine Frau zu diesem Zeitpunkt kaum noch Besitz hatten.
Am 4. April 1942 deportierte die Gestapo Theodor und Elsa Mendle nach Piaski in Polen. Von dort kehrte niemand zurück. Wahrscheinlich erlagen beide den katastrophalen Lebensbedingungen oder wurden in einem Vernichtungslager in der Umgebung ermordet.
Tochter Gerda Mendle studierte Zahnmedizin und promovierte 1937. Als Jüdin durfte sie ihren Beruf jedoch nicht ausüben. Noch im selben Jahr floh sie mit ihrem Mann Abraham Scheinermann nach Palästina und entkam damit der NS-Verfolgung. (Text: Kevin Krestel und Emir Souleiman; Lektorat: C. Fritsche)

More biographies on this place